Entwicklungsstand Hotel auf der Rössl Wiese - Teil 1
Vorrausschicken wollen wir, daß wir nicht grundsätzlich gegen ein Hotelprojekt auf der Rössl Wiese sind. Was uns stört, ist die Art der Vorgangsweise. Die Bevölkerung wurde weder über die Planungen, noch über die aktuellen Entwicklungen informiert. Das Wissen über das Projekt wird beinahe wie eine Geheimbotschaft unter Eingeweihten weitergereicht.
Nun zu den Fakten und Entwicklungen
Auf der sogenannten Rössl Wiese wurde von der Arbeitsgemeinschaft PORR & MANDLBAUER, mit Sitz in Wien, eine Hotelanlage mit ca.300 Betten und eigenem Seezugang mit Badestrand an der Seepromenade geplant.
Dazu kamen 70 Zweitwohnungen, 120 Betten in Form von sogenannten hotelservicierten Wohnungen und 88 Betten in Form von 44 Zweitwohnungen. Insgesamt sollten für das Gesamtprojekt 6 Gebäudekomplexe mit einer Bauhöhe von bis zu 20 m errichtet werden. In Summe wären so 500 neue Betten entstanden. Es wurde darüber bis heute nie eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt, die aber bei einer derartigen Bettenanzahl erforderlich wäre.
Im ersten Anlauf war, um die Finanzierung des Projektes sicher zu stellen, die Errichtung von 100 Zweitwohnungen geplant. (Ausgabe St. Wolfgang aktuell vom Oktober 2006 / Sondernummer zur Nationalratswahl).
Nach heftigem Prostet zahlreicher Bürger und Bürgerinnen, nach Einsprüchen bei den politischen Vertretern im Gemeinderat, mit dem Hinweis darauf, daß das geltende, örtliche Entwicklungskonzept für St. Wolfgang nur eine maximale Anzahl von 40 Wohnungen pro Bauprojekt und nur in Verbindung mit einem Hotelprojekt erlaubt seien, wurde die Anzahl vom Betreiber auf 72 heruntergesetzt. (48 +24).
Nach dem Hinweis der Anrainer, daß auch diese Zahl immer noch nicht mit dem örtlichen Entwicklungskonzept in Einklang zu bringen sei, wurde die Rössl Wiese (zwecks Herstellung neuer Bebauungsbedingungen) in zwei Grundstücke geteilt.
Zu diesem Zweck wurde vom Gemeinderat der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan anlaßbedingt geändert. Der vordere Teil behielt seine ursprüngliche Widmung als Tourismusgebiet, der rückwärtige Teil wurde zum Wohngebiet erklärt.
Die Anzahl der Zweitwohnungen wurde nun auf 70 Stück festgelegt und so aufgeteilt, daß im neu umgewidmeten Wohngebiet nun definitiv 44 Wohnungen gebaut werden sollen. Weitere 26 Wohnungen werden im neu zu errichtenden Hotelkomplex als sogenannte hotelservicierte Wohnungen untergebracht und sollen ebenfalls verkauft werden.
Somit werden aus den, für die gesamte Wiese maximal rechtlich möglichen 40 Zweitwohnungen, durch die anlaßbezogene Flächenumwidmung doch noch 70 Zweitwohnungen errichtet. Es handelt sich dabei um 5 Gebäudekomplexe mit je 3 bis 5 Geschossen.
Der Bau der Zweitwohnungen im Wohngebiet wurde in 1. Instanz vom Bürgermeister und in 2. Instanz vom Gemeinderat genehmigt. Beide Bescheide wurden von den Anrainern beeinsprucht.
Als Argument wurde unter anderem ins Treffen geführt, daß eine Bürgerinitiative mit 470 Unterschriften gegen den Bau von 70 (statt wie im Entwicklungsplan vorgesehen 40) Zweitwohnungen, dagegen Einspruch erhoben hatten. Die Unterschriftenliste ging im Zuge des Umzuges der Gemeinde in die Räumlichkeiten der Post leider verloren.
Der zweite Einspruch (beim Land OÖ) hatte keine aufschiebende Wirkung und es darf daher ab sofort mit dem Bau der Zweitwohnungen begonnen werden.
Allerdings konnte (wieder auf Drängen der Bürger) der Gemeinderat dahingehend informiert werden, daß die Firma PORR & MANDLBAUER die Zweitwohnungen nur zeitgleich mit dem Hotel errichten muß, da andernfalls folgender Fall eintreten könnte:
Wird der Wohnkomplex unabhängig vom Hotel gebaut und geht den Betreibern dann auf Grund der prekären wirtschaftlichen Lage das Geld aus, ist es denkbar, daß der Hotelkomplex erst gar nicht mehr errichtet wird, weil die Zweitwohnungen unter Umständen nicht verkäuflich wären. Das letzte, was wir in St. Wolfgang brauchen können, ist ein leerstehender Zweitwohnungskomplex nach Vorbild des ehemaligen Hotel Tirol.
Die Entwicklung der wirtschaftlichen Situation weltweit hat die Bürger und Bürgerinnen in ihrer vorsichtigen Haltung bestätigt.
Für den Hotelkomplex samt hotelservicierter Zweitwohnungen wurde die Baugenehmigung in 1. Instanz vom Bürgermeister erteilt. Nach Einspruch der Anrainer gegen diesen ersten Bescheid erfolgte die Baugenehmigung in 2. Instanz durch den Gemeinderat. Für die Entscheidung in 2. Instanz wurde bis heute noch kein Bescheid erlassen. Auch hier gibt es noch keinen gewerberechtlichen Genehmigungsbescheid.
Sobald dieser 2. Baubescheid erlassen wird, kann von Seiten der Anrainer ein Einspruch beim Land OÖ erfolgen. Dieser Einspruch hätte auch in diesem Fall keine aufschiebende Wirkung mehr und der Baubeginn wäre ab diesem Zeitpunkt möglich.
Der nächste Schritt der Anrainer wäre demnach eine Beschwerde beim Verfassungsgerichtshof da eine widerrechtliche Genehmigung von 70. Zweitwohnungen vorliegt. Auch weitere rechtliche Schritte wären zu erwägen.
Das Hotel soll nach Fertigstellung, von der ehemaligen Ost-Deutschen Firma TRAVEL CHARME als Hotelbetreiber übernommen werden. Laut Aussagen der Projektanten der Baufirma PORR & MANDLBAUER verlangt die Firma TRAVEL CHARME als Grundbedingung für das Geschäft einen eigenen Seezugang bzw. hoteleigenen Badeplatz.
Vor 3 Jahren hat die Gemeinde St. Wolfgang das See-Grundstück um die ehemalige Bootshütte der ÖBB (vis á vis der Pension Mirabell) angekauft, um dort einen (von der Bevölkerung lange geforderten) Badeplatz für die Öffentlichkeit zu errichten.
Dies ist auch offizieller Gemeinderatsbeschluß.
Das Grundstück kostete 650.000,- Euro. Für diesen Betrag wurde von der Gemeinde ein Kredit aufgenommen. Für diesen Kredit fallen jährliche Zinsen in der Höhe von über € 22.000,00 Euro an, welche aus dem Gemeindebudget (also von uns allen) bezahlt werden, ohne daß wir den Badeplatz real nutzen können.
Der Grund dafür ist, daß dieser Badestrand an die Firma PORR & MANDLBAUER weiterverkauft werden soll, weil damit der Wert der Zweitwohnungen steigen würde. Zins- und Kreditrückzahlung für den Badeplatz belaufen sich jährlich auf ca. € 45.000,00. In der derzeit sehr angespannten wirtschaftlichen Situation geht der Gemeinde damit eine große Summe für Investitionen vor allem im Bereich der Jugendarbeit verloren.
Um den Badeplatz näher an das zukünftige Hotel heranzuholen, soll das Grundstück ÖBB-Bootshütte mit dem Badeplatz des Weissen Rössls (angrenzend an die Seepromenade) eins zu eins getauscht werden. Der direkte Seezugang für die Hotelgäste und Zweitwohnungsbesitzer soll über eine Art Brücke erfolgen, die über die Straße führt und in einen neu zu bauenden Pavillon mündet, der sich zwischen Beginn der Seepromenade und dem getauschten Badestrand befindet.
Für eine Neugestaltung der gesamten Seepromenade wurde der Wiener Architekt Boris Podrecca engagiert. Seine Honorarforderung (für Planung bis zur Ausführung) belaufen sich bisher auf € 180.000,00. Der von Ihm ausgearbeitete Entwurf wurde den Gemeinderäten vor ca. einem Monat vorgestellt. Verschiedene eigentumsrechtliche Verhältnisse sind dabei allerdings noch ungeklärt und daher ist es momentan noch offen inwieweit sich dieser, grundsätzlich akzeptable Entwurf, verwirklichen lassen wird.