Wir leben (nicht) alle vom Tourismus
Wir möchten uns heute mit einem der Stehsätze unseres Bürgermeisters und Landtagsabgeordneten Johannes Peinsteiner beschäftigen, dem vor allem die meisten Funktionärinnen und Funktionäre der ÖVP wie selbstverständlich folgen.
Sein wichtigster Satz um alle Kritikerinnen und Kritiker an seinen Tourismusvorstellungen mundtot zu machen, ist: „In St. Wolfgang leben alle Bürgerinnen und Bürger direkt oder indirekt vom Tourismus.“
Dieser Satz ist falsch, wie wir mit einigem Zahlenmaterial nachweisen wollen. Eines ist sicher: Hätten wir den Tourismus nicht, hätte St. Wolfgang wesentlcih weniger Einwohnerinnen und Einwohner.
Diese Frage stellt sich so aber gar nicht. Die Frage, die sich im Zusammenhang mit dem Stehsatz unseres Bürgermeisters stellt, ist: Wieviele Leute leben tatsächlich vom Tourismus.
Von der Beantwortung dieser Frage hängt nämlich ab, ob wir in der Gemeinde tatsächlich notwendigerweise alle Entscheidungen nach den bedürfnissen des touristischen Sektors ausrichten sollen und wollen.
Nun zu den Zahlen und Fakten. Unsere Gemeinde war (und ist wie wir vermuten auch heute noch) 2001 vor allem eine, in der Menschen vorwiegend ihre Arbeitsprozesse in Pendlerexistenzen finden.
Erwerbstätige aus der Gemeinde, die 2001 in der Gemeinde arbeiteten
587 Personen.
Erwerbstätige der Gemeinde, die auspendelten:
705 Personen.
(dazu pdf der Statistik Austria:
Pendler_2001.pdf )
Von den in der Gemeinde lebenden und arbeitenden Personen, sind eine nicht geringe Anzahl von Personen in Beschäftigungsverhältnissen, die hier auch arbeiten würden, wenn es eine andere Form von Tourismus oder eine andere Form des Tourismus gäbe.
Dazu Zahlen aus dem Jahr 2006 aus einer Arbeitstättenzählung:
Gesamtbeschäftigte (Einheimische und Einpendler) 960
Land- und Forstwirtschaft: 142
Energie und Wasserversorgung: 32
Verkehr und Nachrichtenübermittlung: 137
Unterrichtswesen: 32
Erbringung öffentliche Dienste: 31
Nicht touristische Erwerbstätige: 374
touristische Erwerbstätige: 576
(dazu pdf der Statistik Austria:
Besch-ftigte_2006.pdf )
Eine noch gröbere Differenz ergibt sich, wenn man die Zahlen der Gesamtbevölkerung und ihrer Erwerbsarbeit heranzieht. Dazu die Zahlen einer Bevölkerungsstatistik aus dem Jahr 2006:
Gesamtbevölkerung. 2.824
erwerbstätig: 1.405
arbeitslos: 62
im nicht eindeutig touristischen Sektor erwerbstätige: 697
erwerbstätige im touristischen Sektor: 646
(dazu pdf der Statistik Austria:
Erwerbst-tige_2006.pdf )
Mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen in St. Wolfgang sind also nicht im touristischen Bereich tätig.Uns ist daher schleierhaft, wie unser Bürgermeister und Landtagsabgeordneter Johannes Peinsteiner auf 100% Erwerbsquote im Tourismus kommt.
Auf Grund der uns vorliegenden Zahlen wäre es hoch an der Zeit uns einmal über wirklich tragfähige Entwicklungskonzepte in der Gemeinde zu unterhalten. Über Ausgleichsmaßnahmen zwischen den Bevölkerungsgruppen. Und vor allem wird es endlich Zeit, mit Fakten zu argumentieren und nicht mit Halbwahrheiten Propagandaoffensiven für einen bestimmten Erwerbssektor zu starten.